Geschishte des orientalischen Parks

Paysage de printemps
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der 29 ha große Park Teil des Eigentums des Schlosses Colbert.

Das Schloss wurde am Ende des 19. Jahrhunderts von einem Industriellen namens -Bergère- gekauft. Auf Wunsch des Besitzers hat Alexandre Marcel das Innere des Schlosses restauriert und die Umgebung gestaltet.

Zwischen 1899 und 1913 schuf er ein orientalisches Gebiet mit starker japanischer Ausprägung hinter dem Schloss rund um den Fluss.

 
Parc 1900

Nach der Hochzeit mit der Tochter des Besitzers besuchte Alexandre Marcel häufig Maulevrier. Mit Akribie und Geduld entwickelte er nach und nach das, was jetzt der orientalische Park ist. Er legte einen Teich an, versorgt vom Fluss La Moine, und pflanzte viele exotische Pflanzen. 

Khmer Elemente sind die Wiedergabe von Formen der Weltausstellung im Jahr 1900, an der er teilgenommen hatte. Nachdem Alexandre Marcel am 30. Juni 1928 starb, lebte seine Frau noch bis 1945 im Schloss.

Seit dieser Zeit wird der Park land- und forstwirtschaftlich genutzt und bis 1980 sind nach und nach Bäume gepflanzt worden. Nach 40 Jahren waren die ganzen 29 ha Brachland geworden und die Wege vollständig mit Gestrüpp überwuchert. Die Bauwerke (Laternen, Brücken, Pfeiler, Tempel, Pagoden...) lagen in Trümmern oder waren ganz verschwunden.

 
Pont rouge ancien

1976 wurde der Besitz verkauft und in drei Teile geteilt: Ein Teil bildet das Schloss mit seinen Nebengebäuden und dem Garten, das Gymnasium erwarb 2 ha, um einen Sportplatz zu bauen, und eine öffentliche Organisation hat die restlichen 29 ha gekauft.

Die Stadt Maulévrier hat den Park 1980 gekauft und im gleichen Jahr wurde der Park unter Denkmalsschutz gestellt. Ein Verein wurde gegründet, um die Verwaltung und Pflege des Parks sicherzustellen. Dank Dokumenten, Fotos und anderer Beweise konnte seine Restauration begonnen werden. Ursprünglich Verein "Schloss Park Colbert" genannt, bekam der  Verein 1985 den Namen "Orientalischer Park". Dies waren die ersten Freiwilligen, die die Hauptarbeit im Park übernommen haben.

1987 haben japanische Professoren aus den Gartenuniversitäten von Tokyo und Niigata das 12 ha große Grundstück als japanischen Garten anerkannt und der Periode EDO (XVI-XIX) zugeordnet.

Seitdem haben wichtige Projekte angefangen und werden heute fortgeführt. Der Park ist jetzt als größter japanisch inspirierter Park in Europa anerkannt und ist ein Pilotprojekt in Europa. Projekte, Arbeit und Aktivitäten werden von einem Verein ausgeführt, der aus Freiwilligen besteht, sowie von einem festen Team von Fachleuten und Lehrlingen.

 
Marcel A

Alexandre MARCEL

Der Architekt Alexandre Marcel aus Paris erhielt zahlreiche internationale Auszeichnungen und gewann Wettbewerbe. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde er von der orientalischen Mode der Zeit, insbesondere von der japanischen Architektur, begeistert. 1899 war Alexandre Marcel in Paris - rue de Babylone - um einen geschmückten Saal für den japanischen Direktor von "Bon Marché" (jetzt seit 1931 Kino "La Pagode") fertig zu stellen.

Im selben Jahr heiratete er Madeleine Bergère und gestaltete für seine neue Familie eine Anlage mit einem Obst- und Gemüsegarten rund um das Schloss Colbert in einem "französischen Stil". An den Ufern des "La Moine", dessen Wasser nun durch einen Damm zurückgehalten wurde, begann er einen Garten, den er "japanische Landschaft" nannte.

Auf der Weltausstellung in Paris (1900) war Alexandre Marcel für den Aufbau der drei Pavillons von Kambodscha, Spanien und die der See Transport Gesellschaft "Panorama du Tour du Monde" (= Panorama der Weltreise) verantwortlich.

 
Exposition Paris 1900

Dieses Panorama bestand aus vier Gebäuden. Das höchste war ein japanischer Turm mit mehreren Dächern. Der kambodschanische Pavillon - ein Tempel im klassischen Stil des Landes - war am Trocadero. Geschützt von Löwen aus Stein, gab es über dem eindrucksvollen Treppenhaus einen riesigen Raum geschmückt mit buddhistischen Skulpturen. 

Alexandre Marcel war ein regelmäßiger Besucher von Maulévrier. Er gestaltete  im Städtchen einen Garten mit japanischer Landschaft  unter Einbeziehing architektonischer Stücke, die am Ende Ausstellung gekauft wurden.

Zur gleichen Zeit hat König Leopold II von Belgien - der den japanischen Turm gekauft hat - Alexandre Marcel gefragt, ob er sein privates Anwesen in Laeken (im Norden von Brüssel) wieder aufbauen würde, wo er noch heute lebt. Er bestellte dann einen chinesischen Pavillon mit geschwungenem Dach. Dies war der Beginn von Alexandre Marcels internationaler und königlicher Karriere. Der König bat ihn dann, die königliche Rennstrecke von Ostende zu bauen und seine Schlösser (Ciergon und Bulge in Belgien) zu restaurieren. Alexandre Marcel war dem Baron Empain vorgestellt worden, der Pläne für die fürstliche und moderne Stadt Heliopolis im Norden von Kairo bestellt hat. Zwischen 1908 und 1911 baute er unter anderem einen hinduistischen Palast.

1911 hat der Maharadscha von Karpurtala - Fürstentum Punjab am Fuß des Himalaya - Alexandre Marcel mit der Errichtung eines Palastes beauf tragt. Er sollte im klassischen französischen Stil umgegeben von Gärten im Sinn von Le Nôtre erbaut werden. 

Alexandre Marcel flog 1913 nach Japan, um auf der Baustelle der französischen Botschaft in Tokio zu arbeiten. Dieses Projekt ist wegen des Krieges nicht fertig geworden. 1924 veröffentlichte er ein Werk über Orientalismus und architektonische Projekte: "orientalisme et architecturales exécuté et projetés". Zwei Tage nach der Einweihung seines letzten Gebäudes in Juli 1928 starb er in seinem Büro.     

 

Symbolismus

Im Garten der Pagode kann der Lauf des Wassers mit dem Lebenszyklus verglichen werden.
 

In diesem Garten stellt eine Gruppe von Steinen den Berg dar, wo eine Quelle, Symbol der Geburt, herausströmt. Von der Quelle bis zum Becken erinnert ein sprudelnder Bach an die Kindheit. Er erinnert an die Zeit von Zweifeln und Gedanken in der Jugend. Der folgende Wasserfall symbolisiert die körperlichen und intellektuellen Änderungen in dieser Zeit.

 
Automne

Um die Schwierigkeiten im Leben eines Erwachsenen wiederzugeben, ist der Bach im weiteren Verlauf schlangenhaft und das laufende Wasser symbolisiert also das aktive Leben. Schließlich stellt der zentrale Teich in der Mitte des Parks das Alter und den Ruhestand dar. Es ist eine ruhige und heitere Zeit, die auch sehr wichtig ist, wenn wir die Dimension des Teichs mit den anderen Perioden des Lebens vergleichen.

Die Inseln des Paradieses sind da, um das Leben nach dem Alter und den Tod zu symbolisieren. Da der Grund des Teichs nicht sichtbar ist, können wir ihn mit der Darstellung von Unsterblichkeit und ewigem Lebens vergleichen.

Die vielfältige Vegetation blüht im Frühling und im Sommer. Auch im Herbst bezaubert sie mit schönen Farben.
So ist jede Jahreszeit geprägt und wir können im Laufe des Jahres eine "Transformation des Gartens" bemerken, die die verschiedenen Abschnitte des Lebens symbolisiert.
Frühlingsblumen: die Geburt, die Jugend (die Kamelien, Rhododendren, Azaleen) 
Sommerblumen: die Reife, das Erwachsenenalter (Katalpen, Falscher Jasmin)
Herbstblumen: das Reichtum der Herbstfarben symbolisiert die Fülle der Kenntnisse, die das ganze Leben lang erworben wurden (Japanahorn, Chinalärche...).
Die fallenden Blätter symbolisieren den Tod.
Die immergrünen Pflanzen: die Unsterblichkeit oder eine Lebensform bevor ein neues Leben entsteht (Nadelbäume, Lorbeeren, Aukuben...)